07.11.2022

„Ich bin bekannt wie ein bunter Hund“

Siegfried Panske hängt nach über 50 Jahren die Pfeife an den „Nagel“

„Schluss ist Schluss“, da ist Siegfried Panske kategorisch. Die 3000 Fußballspiele, die der Schiedsrichter der SG Wintermoor geleitet hat suchen ihresgleichen und dabei will es Panske nun auch bewenden lassen.

Auch wenn er bisher viel mit Routine lösen konnte, das Laufen falle nach 53 Jahren an der Pfeife doch langsam schwerer. „Ich kann ein Spiel lesen und kenne meine Pappenheimer, aber nachts nach den Spielen habe ich Krämpfe“, erklärt der 76-jährige. So gab er am Sonntag, den 30.Oktober 2022 seinen Abschied. Viele Tore, viele Zuschauer, viele Ehrungen, nur zwei Gelbe Karten, Siegfried Panske war zufrieden mit seinem Schiri-Finale im Rahmen der Kreisligabegegnung MTV Soltau II gegen den TSV Wietzendorf. Die Partie endete im übrigen 7:3 für die Wietzendorfer.

Der Fußballkreis-Vorsitzende Daniel Wächtler, der Kreisschiedsrichterchef Gerrit Ludwig an seinem Geburtstag, die Vorsitzende der SG Wintermoor Antje Ditsch-Lühmann, sie waren nur einige von denen, die Panske ihre Aufwartung machten. Weitere Gratulanten waren auch Peter Janschik, der langjährige Vorsitzende der SG Wintermoor, und Jörg Steppat, Fußballspartenleiter des MTV Soltau. Aus den Händen des Stadionsprechers Matthias Hammann erhielt Siegfried Panske nach Abpiff der Begegnung ein Kästchen mit einem Nagel, an den er seine Pfeife hängen durfte, mit der Aufschrift „Im Notfall Scheibe einschlagen“. Dazu soll es laut Panske aber nicht kommen.  Eine besondere Freude bereitete ihm auch seine Familie, die den Weg in den Ostpark gefunden hatten, um den Ehemann, Vater und Opa würdig in den sportlichen Ruhestand zu verabschieden. Panske will nun mehr mit seinen vier Enkeln unternehmen, die ihn ebenfalls beschenkten, und beim Fußball will er zuschauen, wie er Zeit und worauf er Lust hat.

Laut des NVF Kreis Heidekreis hatte er auch bei seiner letzten Partie alles im „Griff“. Die Soltauer und Wietzendorfer Spieler standen ihm nach dem Abpfiff Spalier. Der Schneverdinger machte keinen Hehl aus seiner Rührung. „Mir kamen fast die Tränen“. Er gab auch zu, dass das Ende seiner Schiedsrichterlaufbahn ein Einschnitt für ihn sei. Siegfried Panske war in vielen Fußballfunktionen ehrenamtlich aktiv, dabei unter anderem auch 20 Jahre für den Schiedsrichter-Spesenpool verantwortlich. 550 000 Euro seien dabei geflossen, er habe alles „auf den Cent genau“ abgerechnet, das war ihm sehr wichtig, besonders nachdem die Abrechnung der Schiri-Spesen 2020 in die Hände des Landesverbandes gegeben wurde.

Bei seinem letzten Spiel assistierten ihm im übrigen Niklas Requardt (im Bild re.) und Tim Lucas Krause (im Bild li.). „Gute Leute sind das“, der sich auch um den Schiedsrichter-Nachwuchs sorgt. Er werde den Tag seines 3000. Spiels jedenfalls nie vergessen, blickt aber auch noch einmal auf sein bewegtes Leben auf dem grünen Rasen zurück.

Aus beruflichen und verletzungsbedingten Gründen musste Siegfried Panske, der als Aktiver für den TVJ Schneverdingen, die SV Schülern und die SG Wintermoor aufgelaufen war, die Fußballschuhe früh an den Nagel hängen. „Ich wollte beim Fußball bleiben“, war es für den heute 76-Jährigen ein logischer Schritt im November 1969 die Schiedsrichterprüfung abzulegen. Und so feierte er am 9. August 1970 im Freundschaftsspiel der SV Veersetal gegen den SV Barnstedt (4:0) als Referee sein Debüt. Seit dieser Zeit ist er als Unparteiischer auf den Sportplätzen des Kreises unterwegs gewesen. Von 1971 bis 1986 war Panske, der für die SG Wintermoor pfeift, im Bezirks aktiv, von 1982 bis 1985 zusätzlich auf Verbandsebene.

Sein persönliches Highlight aber war der Einsatz als Linienrichter (rechts im Bild) beim DFB-Pokal-Spiel von Germania Walsrode vor über 6000 Zuschauern gegen den Bundesligist 1. FC Nürnberg (0:3) im August 1982. Der Kapitän des 1. FC Nürnberg war seinerzeit kein geringerer als Rudi Kargus. Als Schiedsrichter fungierte der damalige Bundesliga-Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers, als 2. SR-Assistent agierte Bernd Minor vom MTV Soltau an der Linie.

Auch Nationalspieler Thomas Häßler und BL-Spieler Bernd Dreher mussten schon nach seiner „Pfeife tanzen“, ebenso 1976 der SV WERDER Bremen in einem Freundschaftsspiel gegen die SV Schülern.

Aber Siegfried Panske war nicht nur Schiedsrichter, sondern ist auch bis heute ein leidenschaftlicher Sammler nahezu aller Fußballbericht aus dem Heidekreis und drum herum. Seit 1966 schneidet er kleine wie große Meldungen, seitengroße Reportagen, Interviews, vor allem aber Spielberichte aus und sortiert diese in eigens erstellte, thematisch passende Ordner ein. Auf einem steht da „Jahreshauptversammlungen“ geschrieben, auf dem zweiten „Fußballkreistage“, auf dem dritten „Spielberichte“. Daneben reihen sich unter anderem Chroniken sämtlicher Vereine aus dem Heidekreis.

Es ist somit zum großen Teil Siegfried Panske´s Verdienst, dass der NFV Kreis Heidekreis zu seinem 75 -jährigen Jubiläum im vergangenen Jahr eine rund 300 Seiten starke Festschrift erstellen konnte.

Im Jahr 2013 erhielt Siegfried Panske, der von April 1978 bis November 2021 Mitglied des Kreisschiedsrichterausschusses war, die goldene Ehrennadel des Niedersächsischen Fußballverbandes, zuvor bereits unter anderem die goldene Ehrennadel des Kreisfußballverbandes und die NFV-Verdienstnadel. Zum Abschluss seiner Funktionärstätigkeiten wurde ihm auf dem Fußballkreistag 2021 im Rahmen des 75- jährigen Jubiläums des NFV Kreis Heidekreis die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Aber auch auf Bezirksebene wurde Siegfried Panske in diesem Jahr eine respektable Ehrung zuteil: Bei der DFB-Aktion „Danke Schiri“ 2022 wurde er zum Sieger der Ü50 gekürt.

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