14.06.2022

Ralph-Uwe Schaffert ist neuer NFV-Präsident

Führungswechsel beim Niedersächsischen Fußballverband (NFV). Ralph-Uwe Schaffert, bisher kooptiertes Präsidiumsmitglied des NFV und bis 2021 langjähriger Vorsitzender des Obersten Verbandssportgerichtes, hat beim 7. Außerordentlichen Verbandstag des NFV bei nur einer Enthaltung mit nahezu einstimmigemtigen Samstag Votum der 168 stimmberechtigten Delegierten einen überwältigenden Vertrauensvorschuss als neuer Präsident erhalten.

Der 65-jährige Hildesheimer ist nach dem Hannoveraner Karl Laue (Präsident von 1946 bis 1968), dem Einbecker Gustl Wenzel (1969 bis 1988), dem Hildesheimer Engelbert Nelle (1988 bis 2005), dem Barsinghäuser Karl Rothmund (2005 bis 2017) und dem Salzgitteraner Günter Distelrath (2017 bis 2022) erst der sechste Präsident auf der Kommandobrücke des 1946 gegründeten Verbandes. Sein Vorgänger Distelrath hatte sein Amt nach vier Jahren und knapp acht Monaten zur Verfügung gestellt. 

Zu seinem Amtsverständnis sagte Schaffert in seiner Antrittsrede: „Fußball ist ein Mannschaftssport – diese Binsenweisheit gilt nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz. Ein Spieler, der nicht nur hinten den Laden zusammenhalten, sondern auch im Mittelfeld die Fäden ziehen und vorne die Tore erzielen will, der wird scheitern. Gleiches gilt für den Präsidenten eines Verbandes. Nur im Team, nur mit einer starken Mannschaft kann er erfolgreich sein.“ 

Schaffert, bis zu seiner Pensionierung im Juli 2021 Vorsitzender des Oberlandesgerichtes Celle, berichtete, dass die Mitgliederzahlen im NFV erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder leicht gestiegen sind. „Dabei ist besonders erfreulich, dass gerade in den Altersklassen der unter 14-Jährigen durchgängig ein Mitgliederplus zu verzeichnen ist. Diesen Trend gilt es zu bewahren und fortzuschreiben.“ Deshalb begrüße er es, „dass der Verbandsvorstand auf seiner gestrigen Sitzung die Pilotierung von Maßnahmen zur Fußballentwicklung beschlossen und die hierfür erforderlichen finanziellen Mittel bewilligt hat.“ 

Beim Betrachten der Mitgliederzahlen erkenne man schnell, dass in den Gremien des Verbandes, und zwar auf allen Ebenen, die Mitglieder nicht gemäß ihrer Zusammensetzung repräsentiert seien. „Wir haben in Niedersachsen erfreulicherweise 15 Prozent weibliche Mitglieder. Der Anteil der Generation ‚30 und jünger‘ beträgt stolze 55 Prozent. Nimmt man bei dieser Gruppe die Kinder heraus und berücksichtigt nur die 17- bis 30-jährigen, dann sind wir immer noch bei 28 Prozent. Wenn wir aber heute hier in die Halle schauen, ist unschwer zu erkennen, dass weder die Frauen noch die jungen Leute auch nur annährend repräsentativ vertreten sind.“ 

Die Überalterung der NFV-Gremien („ich nehme mich da ausdrücklich nicht raus, denn auch ich gehöre mit 65 Jahren zu den gerade einmal zehn Prozent der NFV-Mitglieder, die 60 Jahre oder älter sind“) bereite ihm erhebliche Sorgen. „Wir vergreisen. Deshalb müssen wir verstärkt daran arbeiten, dass wir die jüngeren Jahrgänge auf allen Ebenen des Verbandes und in allen Funktionen zur Mitarbeit bewegen.“ 

Als DFB-Vizepräsident für sozialpolitische Aufgaben ist Ralph-Uwe Schaffert auch für den Bereich der Inklusion zuständig. „Hier liegt ein weitgehend noch unbearbeitetes Feld vor uns: Nämlich Menschen mit einer Beeinträchtigung, sei es körperlich oder geistig, die aktive Teilnahme am Fußballsport zu ermöglichen.“ In diesem Zusammenhang berichtete er von den Handicap Kickers, die im März mit dem Sepp-Herberger-Award ausgezeichnet wurden. Bei dem Verein aus Hannover spielen Menschen mit und ohne Handicap zusammen Fußball. Die Gründerin und Vorsitzende der „Hakis“, Sabrina Rathing, wird demnächst Mitglied in der von Frank Schmidt geführten NFV-Kommission Teilhabe und Vielfalt werden. 

Seinem Vorgänger Günter Distelrath bescheinigte Ralph-Uwe Schaffert „einen wirtschaftlich und auch personell gut aufgestellten Verband“ zu hinterlassen. Günter Distelrath erinnerte in seiner Abschiedsrede an die Herausforderungen, die es in den Jahren seines Wirkens für den NFV zu meistern galt. So begleitete ihn fast die Hälfte seiner Amtszeit die Corona-Pandemie. 

„Die gut viereinhalb Jahre als NFV-Präsident waren ereignisreiche und auch sehr herausfordernde Jahre. Sie haben mich verbandspolitisch und menschlich gefordert; zugleich aber auch immer erfüllt. Verbandspolitisch insbesondere deshalb, weil es Sachverhalte gab, die mit gegensätzlichen Interessen schwer unter einen Hut zu bringen waren, an deren Ende aber dennoch eine Lösung stehen musste, die den Interessen des Gesamt-NFV gerecht wurde“, bilanzierte Distelrath. 

„Gemeinsam haben wir viel auf die Wegstrecke bringen können. Neben Maßnahmen zur Sanierung unserer Einrichtungen in Barsinghausen und denen zur Bekämpfung von Gewalt und Diskriminierung auf unseren Plätzen haben wir unsere Vereine finanziell entlastet und wir haben die Finanzen der Kreise und Bezirke zum Teil schon auf eine neue Basis gestellt. Aktuell beschäftigen sich drei Projektgruppen mit verschiedenen Themen. Die erste befasst sich mit der abschließenden Entwicklung zur zukünftigen Finanzierung der Kreise und Bezirke, die zweite mit der Erstellung einer Mustergeschäftsordnung und die dritte mit der Erstellung eines Handbuches. Bei der abschließenden Regelung zur zukünftigen Finanzierung der Kreise und Bezirke sollte im Übrigen die Entlastung unserer Vereine und damit die Entlastung unserer Basis, das oberste Gebot bleiben“, so der scheidende Präsident. 

 „Wir wissen gemeinsam, dass die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft des Fußballs in Niedersachsen eine Daueraufgabe ist. Nun wird es an meinem Nachfolger liegen, dies zielführend zu gestalten. Hierfür wünsche ich ihm und dem von ihm geführten Präsidium alles Gute, eine glückliche Hand und Erfolg“, gab Günter Distelrath seinem Nachfolger mit auf den Weg. 

Auch die Ehrengäste würdigten die Verdienste Distelraths. So bezeichnete Niedersachsens Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, den scheidenden NFV-Präsidenten als akribischen Arbeiter und „sehr geschätzten, vertrauensvollen Gesprächspartner“.  Zu den Stärken des Fußballverbandes sagte er: „Fußball ist fest in unserer Gesellschaft verankert und eine verbindende Kraft. So ist der NFV ein Anker der Intergrationsbemühungen.“ Auch er erinnerte an die Pandemie: „Corona hat uns viel abverlangt. Es gab erhebliche Einschränkungen, aber die Sportler haben erkannt, neue Wege gehen zu müssen“, betonte er in diesem Zusammenhang auch die gute Zusammenarbeit mit dem NFV. 

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach unterstrich: „Günter Distelrath und ich kennen uns seit 30 Jahren. Wir haben immer gut zusammengearbeitet.“ Auch der Präsident des LandesSportBundes Niedersachsen thematisierte die Auswirkungen der Pandemie und bezeichnete diese als „größte Herausforderung für den Sport seit dem 2. Weltkrieg.“ „Als ´sensationell wenig` bezeichnete Umbach die Mitgliederverluste, die der Sport in Niedersachsen durch Corona erlitten habe. 2020 waren es 3,8 Prozent und im Folgejahr noch einmal 0,2 Prozent der Mitglieder, die dem Sport den Rücken kehrten, wobei die Schwimmer und der BehindertenSportVerband die größten Verlierer gewesen sein. Im Herzen ist Umbach, immerhin zwölf Jahre lang Mitglied im Verbandsvorstand, ein Fußballer geblieben. In seiner Karriere hat er als Schiedsrichter rund 300 Profispiele geleitet. „Damals gab es 72 DM pro Spiel. Würde ich nach den heutigen Sätzen nachberechnen, so müsste der DFB noch eine Million an mich überweisen.“ 

Ronny Zimmermann, beim DFB für das Schiedsrichterwesen und die Schiri-GmbH zuständig, flachste darauf hin: „Ich werde mich für Sie einsetzen und das fällt mir auch leicht, denn das Geld zahlt ja nicht der DFB sondern die DFL.“ An Günter Distelrath gewandt bekannte Zimmermann, seit dem jüngsten DFB-Bundestag im März 2020 1. Vizepräsident Amateure/Regional- und Landesverbände: „Wir sind richtig zusammengewachsen und ich habe Dich mehr als schätzen gelernt.“ Gemeinsam mit DFB-Vize Peter Frymuth und Günter Distelrath hatte Zimmermann vom DFB den Auftrag erhalten, zu sondieren, wie in der zerstrittenen DFB-Führung die Wogen geglättet werden könnten, was letztlich aber nicht gelang. „Nur wenige haben beim DFB für Unruhe gesorgt, aber ganz, ganz viele haben einen tollen Job gemacht“, sagte er unter dem Beifall der Versammlung. Günter Distelrath überreichte er ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft mit der Nummer 5 und die Silberne Ehrennadel des DFB. Letztere Ehrung erfuhr auch NFV-Vize „Auwi“ Winsmann. 

Walter Fricke (Westoverledingen) wurde von den Delegierten einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt. Fricke war 18 Jahre lang Vorsitzender des Verbandsjugendausschusses. 

Im Mittelpunkt der sportpolitischen Entscheidungen des Außerordentlichen Verbandstages standen Gremienstrukturveränderungen auf Verbandsebene. So folgten die Delegierten dem Antrag des Verbandsvorstandes, dass künftig der Präsident, der Vizepräsident Finanzen und die Vorsitzenden der vier NFV-Bezirke Braunschweig, Hannover, Lüneburg und Weser-Ems den gesetzlichen Vorstand gemäß § 26 BGB bilden, dem die Finanzaufsicht obliegt. Bisher hatten der Präsident, der Vizepräsident Finanzen und der Sprecher des Direktoriums den gesetzlichen Vorstand gebildet. 

Die Zusammensetzung des Präsidiums wurde dahingehend geändert, dass der Sprecher des Direktoriums diesem Gremium künftig nicht mehr angehört und die Vorsitzenden der Verbandsausschüsse künftig wie die Bezirksvorsitzenden Vizepräsidenten sind. 

Ebenfalls gefolgt wurde dem Antrag des Verbandsvorstandes, dass B-Junioren, die ihr 16. Lebensjahr vollendet haben und einem Verein bzw. einer Kapitalgesellschaft der Lizenzligen oder 3. Liga angehören, eine Spielerlaubnis für Spiele der Lizenzmannschaft bzw. der ersten Herrenmannschaft erteilt werden kann. Zwei Anträge des SV Union Salzgitter, die darauf abzielten, dass auch eine Jugendspielgemeinschaft (JSG) in der Niedersachsenliga spielen darf, wurden abgelehnt.

Autor / Quelle: bo/maf

Foto: Vosshage

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